Europa, quo vadis? Als der US-Demokrat Howard Dean, der Barack Obama zum Präsidenten gemacht hat, beim Wiener Kongress com·sult 2010 zu Gast war, sagte er: „Die größte Herausforderung für die Welt ist, ob die EU es schafft zu den United States of Europe zu werden.“ Der tschechische Präsident Václav Klaus befürwortete zwar bei seinem com·sult Besuch 2011 diesen Prozess, sah aber noch Hindernisse: „Europa befindet sich in der Geiselhaft der EU!“
Am neunten internationalen Wiener Kongress com∙sult 2012 nahmen Friedensnobelpreisträger Lech Walesa und der Grandseigneur der deutschen Politik Hans-Dietrich Genscher die aktuelle Führungskrise in Europa zum Anlass, um über die Zukunft des Kontinents zu debattieren.
Kongress-Initiator David Ungar-Klein hatte sich den historischen Wiener Kongress 1814/15 zum Vorbild genommen: „So wie Europa damals neu geordnet und stabilisiert wurde, wollen wir 200 Jahre später im Herzen des vereinten Europas das Fundament für die Zukunft von Wirtschaft und Politik schaffen.“ Der erfolgreiche Revolutionär Lech Walesa sprach das Thema des Kongresses unverblümt an: „Uns fehlen Politiker deren Visionen mächtig genug sind, um die Idee des größeren Ganzen voranzutreiben.“
Walesa sprach sich vehement dafür aus, einen „Staat Europa“ zu etablieren und dabei gleich den Kapitalismus und die Demokratie radikal zu reformieren. Hans-Dietrich Genscher der auch als „Vater“ der Europäischen Union und des Euro gilt, gab als Fernziel die „Vereinigten Staaten von Europa“ an. „Allerdings können wir Europa nicht nur auf wirtschaftlicher Basis errichten. Vielmehr ist neben einer engeren Zusammenarbeit in der Wirtschaft auch eine engere außenpolitische Zusammenarbeit notwendig“, so Genscher.
“Europa ist eine Botschaft an alle anderen Länder – wir haben aus unserer blutigen Geschichte gelernt”, schloss Genscher sein Plädoyer für Europa. Dem konnte auch Avigdor Liberman, Vizepremier- und Außenminister von Israel zustimmen: „Das Ziel meiner Partei ist der Beitritt Israels zur EU!“ Skeptisch zeigte sich Liberman auch in Bezug auf den Arabischen Frühling. Den arabischen Staaten fehle nämlich eine starke Mittelschicht, die das Rückgrat demokratischer Systeme bilde.
Von einer Führungskrise wollte Sir Terry Leahy, der legendäre CEO der britischen Supermarktkette Tesco nicht sprechen: „Bei Tesco sagen wir immer, du brauchst nicht eine, sondern tausende Führungskräfte. Du musst Menschen die Möglichkeit geben, selbst nach vorne zu treten, und zu führen, sie motivieren, Verantwortung zu übernehmen.“
In dieselbe Kerbe schlug der britische Philosoph Phillip Blond: „Kultur ist der Schlüssel für alles. Europa hat die Fähigkeit verloren, sich selbst ständig neu zu erfinden.“ Wir seien selbstzufrieden und behäbig geworden, uns fehle der Biss für Neues, so der Berater von Premierminister Cameron. Blond schloss mit dem Plädoyer für ein neues europäisches Modell, uns mit unternehmerischen Mitteln neu zu erfinden.
Den Höhepunkt des Wiener Kongress com·sult 2012 bildete die feierliche Abendgala, im Rahmen derer die beiden Architekten des vereinten Europas Lech Walesa und Hans-Dietrich Genscher mit dem Lifetime Achievement Award “Golden Arrow” ausgezeichnet wurden. Mit ihrer beispiellosen Führungsstärke während dem Fall des Eisernen Vorhangs und ihre visionären Kraft für das Projekt Europa haben sie die Teilung des Kontinents überwunden.
Traditionell wurde auch in diesem Jahr ein Österreicher mit dem “Special Golden Arrow” ausgezeichnet. Oskar Mencer ist gerade dabei mit seiner Firma Maxeler Technologies die Computerwelt zu revolutionieren und zählt zur globalen Wissenselite. Der in London lebende und forschende Top-Wissenschaftler von Weltrang lebt tagtäglich Innovation und ist beispielgebend für die Zukunft des Wirtschafts- und Wissensstandortes Europa.