Aktuelles


Vienna Congress com·sult 2011
com·sult | 10.11.2011

Highlights des com·sult 2011

8. Wiener Kongress com·sult

„Challenging Prospects – Rethinking Global Systems“

25. Jänner 2011

Haus der Industrie

Keynote Speaker: Václav Klaus, Mohamed ElBaradei, Jeremy Rifkin, Phillip Blond,
Moritz Leuenberger und Mark Spitz

Auch in diesem Jahr strömten wieder mehr als 1.500 Manager, Politiker und Medienvertreter ins Haus der Industrie, um am Wiener Kongress com·sult 2011 gemeinsam mit internationalen Visionären über langfristige wirtschaftliche und politische Entwicklungslinien zu diskutieren. Das diesjährige Motto „Challenging Prospects – Rethinking Global Systems” war Programm: „Mit der Wirtschaft geht es wieder bergauf, Europa befindet sich aber weiterhin in einer Führungskrise“, so com·sult-Initiator
David Ungar-Klein, um gleich fortzusetzen: „Deshalb haben wir heuer die gefragtesten Querdenker und Masterminds aus aller Welt zum Wiener Kongress com·sult 2011 nach Wien geholt. Wie kann sich Europa politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich völlig neu aufstellen, um zwischen Ostasien auf der einen und den USA auf der anderen Seite nicht aufgerieben zu werden? – Das ist die zentrale Frage des diesjährigen Kongresses!“

2 Panels, 11 Workshops und rund 100 Sprecher

Vor dem Hintergrund bahnbrechender technologischer Innovationen in den Bereichen Kommunikation und Energie und dem ökonomischen Aufstieg großer Schwellenländer wurde am Wiener Kongress com·sult darüber debattiert, wie Europa seine wirtschaftlichen, politischen und sozialen Systeme von Grund auf überdenken kann.

Für Václav Klaus, Präsident der Tschechischen Republik, hat die EU ein „langfristiges und fundamentales Problem“, das weit über die aktuelle Krise hinausreicht. „Die Währungspolitik und der Euro leiden an einem Geburtsfehler, weil die Mitgliedsstaaten vor unterschiedlichen wirtschaftlichen Problemen stehen und jetzt beispielsweise nicht mehr die Möglichkeit haben, sich mit einer Abwertung ihrer Währung zu helfen“, so Klaus. Außerdem betonte der tschechische Präsident, dass er sich keine Demokratie in einer Einheit, die größer als ein Staat ist, vorstellen könne.

Europäischer Traum und Big Society

Dem hielt Jeremy Rifkin, Berater von Politikern, Konzernen und Gewerkschaften, den „Europäischen Traum“ entgegen: „Der amerikanische Traum ist tot. Das europäische Modell ist nicht nur sozialer und humaner, sondern auch innovativer – Europa wird die Welt durch die Wirtschafts-Revolution führen, der Rest der Welt wird nachfolgen.“
Rifkin will in der „dritten industriellen Revolution“ den Weg in eine emissions- und kohlenstoffarme, dezentral organisierte neue Zivilisation weisen.

Lokalen Wirtschaftskreisläufen konnte auch Phillip Blond, der Vordenker der britischen Konservativen, viel abgewinnen. „Wir haben eine neue Form der Sklaverei geschaffen, und die Sklaven stellen die Mehrheit“, kritisiert Blond. „Kapitalismus führt zur Bildung von Kartellen. Wir haben keinen freien Markt.“ Blond plädiert dafür Mitarbeiter an Firmen zu beteiligen und lokale Aktienbörsen zu schaffen. Er will das Management des Sozialstaats an Vereine und Freiwilligenorganisationen auslagern und so wieder das Vertrauen und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft stärken.

Der Besuch des ehemaligen obersten Atomwächters und Friedensnobelpreisträgers Mohamed ElBaradei gewann besondere Brisanz, da am selben Tag in seinem Heimatland Ägypten die größten Demonstrationen seit über 50 Jahren stattfanden. Oppositionsführer ElBaradei betonte jedoch, dass er erst als Präsidentschaftskandidat zur Verfügung stehe, wenn freie und faire Wahlen gesichert sind.

Infrastruktur der Zukunft

In der Frage der Energiesicherheit forderte Mohamed ElBaradei die Gründung einer Energiebehörde im Rahmen des UN-Gefüges. Außerdem hielt er ein feuriges Plädoyer dafür, dass in Zeiten des ökonomischen Aufschwung des Südens, jede Energieform benötigt werde, um Milliarden Menschen ins Informationszeitalter zu befördern: „Erneuerbare Energien alleine werden den Bedarf nicht decken können. Wir brauchen selbstverständlich auch Atomenergie. Das Uran sollte am besten ausschließlich von der Internationalen Atomenergiebehörde zur Verfügung gestellt werden.“

Einig war sich ElBaradei mit dem ehemaligen Schweizer Infrastrukturminister
Moritz Leuenberger darin, dass die österreichische Atompolitik unglaubwürdig sei,
weil Atomkraftwerke hier nicht geduldet werden, aber Atomstrom importiert wird. ElBaradei dazu: „Österreich sollte mit seinen Nachbarländern in punkto Sicherheit der Atomkraftwerke zusammenarbeiten und nicht immer nur kritisieren.“

Moritz Leuenberger, der Vater des Gotthart-Bahntunnels, gilt in ganz Europa als Infrastruktur-Vordenker, weil die Schweiz als einziges Land eine umfassende Infrastrukturstrategie erarbeitet hat. „Regierungen haben kein Recht den Mobilitätsdrang der Bürger einzuschränken – sie müssen ihn in nachhaltige Bahnen lenken. Wir haben in der Schweiz beispielsweise auch periphere Regionen bevorteilt, indem wir Infrastrukturen dorthin gebaut haben“, so Leuenberger.

Lifetime Achievement Award „Golden Arrow“ für Václav Klaus

Die Auszeichnung an Václav Klaus ist ein Tribut des Wiener Kongress com·sult 2011 an den tschechischen Präsidenten, als wortgewaltigem Mahner einer unabhängigen Kultur der Freiheit. Klaus stellt sich mit seiner Kritik an der EU und der Politik des Klimawandels bewusst gegen den Mainstream. Auch wenn er mit seinen Positionen polarisiert, ermöglicht er dadurch gewohnte Denkmuster zu hinterfragen. Ein unverzichtbares Verdienst für eine kritische Öffentlichkeit. In seiner Laudatio im Rahmen einer feierlichen Abendgala im Haus der Industrie, würdigte Erhard Busek, Vienna Economic Forum, Klaus als einen „Unbequemen“, der für ein Europa des Spruchs und Widerspruchs stehe.

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